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 Das Fabelbuch von Aesop bis heute Das Fabelbuch von Aesop bis heute
von Silke Leffler
Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 600 Seiten - Beck, Wien
Erscheinungsdatum: Juli 2003
Dieser Band enthält eine Sammlung der 50 schönsten klassischen und modernen Fabeln,
mit Texten u.a. von Aesop, Friedrich Schiller, Jean de la Fontaine, Josef Guggenmos, Wilhelm Busch, Leo Tolstoi, Marie von Ebner-Eschenbach und Novalis
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Eine Fabel

Der Krieg der Schafe

von Thomas Siebe

Eines Tages kam ein sehr großer Höhlenlöwe in das friedliche Tal der Schafe. Der neue Herrscher des Tals war ein Nimmersatt und sehr gierig. Er erwürgte viele Schafe und fraß sie ganz auf. So verbreitete der Löwe großen Schrecken unter den Tieren der Herde.
Da setzte sich die Schafherde zur Beratung zusammen und beschloß schließlich, daß man dem Würger Widerstand leisten müsse. Sie wußten aber nicht, wie.
So verbündeten sie sich mit dem Fuchs und fragte ihn um Rat, was denn zu tun sei. Der Fuchs war nicht gut auf den Löwen zu sprechen, denn der Tyrann störte auch die Geschäfte des kleinen Räubers. Deswegen erklärte der schlaue Rothaarige sich bereit, den Schafen beizuspringen.

Der Fuchs riet zunächst dazu, dem Löwen den Krieg zu erklären.
Er wählte einen jungen, mutigen Bock als Boten aus. Der Fuchs schärfte dem Bock ein, sicherzustellen, daß der Räuber die Botschaft auch verstand:
"Du mußt aber in seine Höhle gehen, denn wegen ihrer großen Mähne hören die Löwen nicht gut."

Der Bock mit der Kriegserklärung traf den Löwen in seiner Höhle liegend an, trat ein und sprach zu ihm :
"Löwe, du hast viele von uns getötet und gefressen. Deswegen erklärt die Schafherde dir den Krieg...".
Weiter kam das arme Schaf nicht, denn der Löwe verschlang es mit einem Bissen, schüttelte verwundert seine Mähne und legte sich wieder zur Ruhe.

Als der Bote am Abend nicht heimkehrte, machte sich die Herde Sorgen. Doch der Fuchs hatte eine Erklärung:
"Er wird es mit der Angst bekommen haben ! Schicken wir morgen einen neuen Boten zur Höhle."
Da nickte die ganze Herde.

Am nächsten Morgen erschien der nächste junge und mutige Schafbock in der Höhle des Löwen und wurde sofort zum Frühstück verspeist. Diesmal machte die Herde sich schon am Mittag Sorgen, doch der Fuchs sagte:
"Der zweite Bote wird den ersten Boten getroffen haben und der hat ihm Angst gemacht !"
Das leuchtete den anderen Schafen ein.
So schickte die Herde den dritten Boten : Der Löwe hatte gerade im Fluß getrunken, als er schon das nächste Schaf in seiner Höhle vorfand. Er fraß auch dieses und war nun völlig gesättigt.

Am Abend klagte die Herde:
"Auch der dritte Bote ist nicht heimgekehrt, Schlimmes wird ihm widerfahren sein !"
Da sagte der Fuchs:
"Nein, nein, er hat nur den ersten und zweiten Boten getroffen und die haben ihm natürlich doppelt Angst gemacht ! Wir müßen zwei Boten schicken !"
"Ja, das ist wahr. Zwei Boten sind besser als einer!"
blökte die Herde und am nächsten Morgen fand der Löwe gleich zwei Schafe in seiner Höhle, die ihm die Kriegserklärung der Herde überbrachten. Eines entkam jedoch dem Räuber und berichtete, was geschehen war.

Der Fuchs sagte:
"Wir haben dem Löwen nun den Krieg erklärt. Jetzt müßen wir ihn angreifen !"
Die Herde blökte jedoch:
"Aber sieh doch, was der Löwe mit unseren Boten getan hat !"
Da sprach der Fuchs:
"Es wird euch schon nichts geschehen, der Löwe ist doch satt ! Außerdem sind wir so viele und sehen alle gleich aus ! Wenn der Löwe zuschlagen will, weiß er gar nicht, welches Schaf er schlagen soll."

Das sah die Herde ein und, angeführt vom Fuchs, zog die Herde vor die Höhle des Löwen. Als der Löwe am Morgen seine Höhle verlassen wollte, griff ihn die erste Welle der Schafe an. Er schlug sofort das erste Schaf mit der Pranke nieder und verschlang es mit einem Biß, worauf die anderen Schafen flohen.

Die Herde jammerte und machte dem Fuchs Vorwürfe:
"Du hast gesagt, er wäre satt und würde schon keinen von uns treffen !"
Der Fuchs aber antwortete:
"Der Löwe hat doch keinen von euch getroffen, wie könntet ihr sonst hier stehen und jammern ? "
Die Schafe sah sich untereinander an und nickte:
"Ja, der Fuchs hat recht. Der Löwe hat ja keinen von uns getroffen, sonst wären wir nicht hier. "

Der Fuchs befahl einen weiteren Angriff auf den Löwen und als der Räuber zum Fluß ging, um zu trinken, griff ihn die Herde erneut an.
Wieder fraß das Raubtier ein Schaf, trank hastig und zog sich dann in seine Höhle zurück.

Und wieder blökte die Herde und klagte den Fuchs an:
"Du hast gesagt, es würde keines von uns treffen !"
Der Fuchs fragte :
"Wen von euch hat es denn getroffen ?".
Die Schafe blickten einander an, doch kein Schaf meldete sich.
"Da hat der Fuchs recht !"
blökte die Herde und ließ sich von ihm zu einem weiteren Angriff überreden. Wieder schlug der Löwe ein Schaf tot und verschlang es. Die Herde floh erneut und stellte den Fuchs erneut zur Rede:
"Du hast gesagt, daß sich das Schaf melden sollte, daß der Löwe getroffen hat. Aber wie kann es das, wenn der Löwe es zuvor gefressen hat ?"
Der Fuchs nickte und gab zu:
"Ja, das war dumm von mir ! Der Löwe hat das Schaf gefressen. Aber dessen Opfer war nicht umsonst ! Denn seht nur, wie träge der Löwe inzwischen geworden ist ! Er verläßt seine Höhle nur noch zum Trinken ! Und er ist so langsam geworden, daß er unsere jungen Böcke nicht mehr fangen kann. Deswegen schicken wir jetzt nur noch unsere jungen Böcke vor die Höhle. Wer also noch jung ist und gut springen und laufen kann und eine Herde anführen kann, der schließe sich an !" Die Schafe blökten "Ja, ja, so wollen wir es machen !" und sie zogen wieder vor die Höhle des Löwen.
Dort belagerten die Schafe den Räuber nun, so das er viele von ihnen fraß. Denn es gab viele nicht mehr ganz so junge, aber eitle und natürlich auch dumme Schafböcke.
Inzwischen war der Löwe übersatt vor lauter Schafen, doch seine Gier war so groß, daß er auch weit über seinen Hunger fraß. Und so wurde der Löwe immer dicker und verließ bald seine Höhle nur noch zum Trinken.

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Bald griffen die Schafe den Löwen sogar in seiner Höhle an, denn die Konkurrenz unter den Böcken war groß und sie wollten sich hervortun. Das Raubtier fraß ein Schaf nach dem anderen und wurde immer dicker.
Eines Tages endlich zog sich die Herde zurück und bald darauf stand der Fuchs vor der Höhle des Löwen. Er musterte den fett gewordenen Löwen ganz genau und erklärte dann laut der Herde:
"Dieser Löwe ist besiegt. Er wird keine Schafe mehr fressen !"
Der Löwe, der glaubte, zu wissen, was die Schafe mit ihm trieben, verhöhnte jedoch den Fuchs und sagte:
"Ich weiß, was du vorhast, alter Fuchs. Aber ich werde die Schafe nicht leid, kommt nur weiter her, ich fresse euch mit Vergnügen, ich bin unersättlich !"

Der Fuchs antwortete:
"Dann komm doch !"
Der Löwe konnte sich jedoch nicht mehr erheben, soviel hatte er gefressen.
"Das macht gar nichts !"
sagte das Raubtier trotzig.
"Morgen kann ich wieder aufstehen. Ich bin zwar fett, aber immer noch schneller und stärker als ihr ! Morgen also werde ich dich fressen, dich oder ein Schaf. Ihr habt zwar geschafft, daß ich satt und fett geworden bin. Aber was nützt euch das ? "

Der Fuchs aber sprach geheimnisvoll:
"Nein, die dummen Schafe haben dich getötet, Löwe ! Du weißt es nur noch nicht !"
Dann verließ er den Löwen und zog mit den Schafen fort.

Am nächsten Morgen konnte sich der Löwe endlich mit Mühe erheben und wollte zum Fluß gehen, um zu trinken.
Doch wie er sich drehte und wendete, er paßte nicht mehr durch den Höhleneingang, so fett war er schließlich geworden.
Und der Löwe verschmachtete bald vor Durst in seiner Höhle, in der ihn die vielen gefressenen Schafe gefangen hatten.


Fabeln frei nach Aesop

 Niagara. Spiel des Jahres 2005

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