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Einige Zeit lang habe ich mehr oder weniger erfolgreich Kurzkrimis geschrieben. Sie wissen schon, die aus den Ärztewartezimmern und Frauenzeitschriften. Eine Geschichte hat meiner am 2. Oktober 2002 verstorbenen Großmutter Marie-Luise Müller besonders gefallen - als Kind wollte sie gerne Detektivin werden. Zu ihrem Andenken:

Seepferdchen

(1991)

von Thomas Siebe

Das kleine Meeresaquarium der Universität schloß seine Pforten für diesen Tag, durch den Lautsprecher wurden die zahlreichen Besucher aufgefordert, die langen, von großen Seewasserbehältern gesäumten Gänge in Richtung Ausgang zu verlassen. Während die Menschen zu den Ausgängen strömten, verloschen hinter ihnen die Lichter, nur kleine Notbeleuchtungen warfen noch ein schwaches Licht auf die Meerestiere hinter den dicken Glasscheiben. Ein Wachmann ging ein letztesmal durch die Gänge, um auch die letzten zerstreuten Besucher hinaus zu geleiten, dann herrschte fast völlige Stille in dem kleinen Meereszoo.

Die Versicherungsangestellte Janet Gere war einer der letzten Gäste gewesen, die das Aquarium verlassen hatten. Mit ihr hatte auch der Wachmann das Gebäude verlassen und während er abschloß, hatte sie sich auf den Heimweg gemacht. Janet verbrachte oft nach der Arbeit noch einige Zeit zwischen den stillen Fischen und Meerestieren, es entspannte sie. Auf dem Heimweg ließ sie ihre Gedanken schweifen, als es sie plötzlich siedendheiß überkam: Die wichtigen Papiere, die sie hatte mit nach Hause nehmen wollen ! Der Chef benötigte die Überarbeitungen gleich morgen früh ! Und sie hatte die Mappe im Aquarium liegen lassen ! Janet hastete zurück, während ihre Gedanken rasten. Hoffentlich war wenigstens ein Nachtwächter im Aquarium verblieben, der ihr öffnen konnte. Aber sie hatte wenig Hoffnung, der Wachmann hatte ja mit ihr das Gebäude verlassen und die Universität war groß.

Sie kam atemlos am Portal des Gebäudes an und sah sich um. Natürlich war niemand mehr zu sehen. Sie blickte durch die runde Scheibe der Eingangstür und zu ihrer Erleichterung sah sie einen Moment lang den Lichtkegel einer Taschenlampe. Und sie bemerkte, daß von innen ein großer Schlüssel steckte. Sofort begann sie gegen die Tür zu klopfen und zu rufen: "Hallo ! Hallo ! Ist noch jemand da....? Hallo ! Bitte nur einen Moment, ich habe etwas sehr Wichtiges vergessen !" Janet lauschte einen Moment, aber nichts rührte sich. Sie klopfte heftiger gegen die Tür: "Hallo, bitte machen Sie auf, nur einen Moment ! Ich habe etwas liegen lassen ! " Schließlich sah sie im Licht der Notbeleuchtung einen kleinen, älteren Mann in einem abgetragenen Anzug durch die Vorhalle eilen. Er drehte den Schlüssel im Schloß und öffnete die Tür. "Was machen Sie denn für einen Krach ? Was wollen Sie denn überhaupt ?" zischte er mit unterdrückter Stimme. "Ach, entschuldigen Sie bitte," entgegnete Janet zerknirscht. "Vielen Dank, daß Sie geöffnet haben. Sie retten mir das Leben. Ich habe wichtige Unterlagen im Aquarium vergessen und wäre Ihnen dankbar, wenn ich sie holen dürfte." Janet sah den Mann bittend an, musterte ihn insgeheim aber genau. Während der Mann noch zu überlegen schien, fragte sie: "Sind Sie der Nachtwächter ?" Irritiert antwortete der Mann: " Was ? Äh, nein, ich bin Professor Lomax, ich arbeite noch... Also gut ! Holen Sie ihre Papiere !" Er gab die Tür frei, ließ Janet ein und schloß das Portal wieder hinter ihr.

Napoleons gefallenen Göttinnen

Napoleons gefallene Göttinnen
Die Geschichte der französischen MINERVE-Fregatten

von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch
Paperback - 349 Seiten - BoD - ISBN 978-3-8391-0218-3
Erscheinungsdatum: Mai 2009

Während Lomax und Janet durch die Halle eilten, redete das Mädchen wie ein Wasserfall. "Wirklich, Professor Lomax - so war doch Ihr Name, nicht ? - Sie retten mir das Leben ! Wenn ich die Papiere morgen nicht hätte...! Sie sind Fischkundler, nicht wahr ? Ah, da ist ja die Mappe ! " Janet bemerkte in der Nähe ein kleines Bassin, das hell erleuchtet war, das Wasser war noch trübe von aufgewühltem Sand. Offensichtlich hatte der Professor daran gearbeitet, denn nun sah sie auch, wie sich ein Ärmel seines Anzuges von Feuchtigkeit dunkel färbte. Er mußte mit dem Arm im Bassin gesteckt haben, als er Janet gehört hatte und hatte dann schnell die Jacke übergestreift. Am Bassin war eine Schrifttafel mit der Aufschrift " Seepferdchen - Brutisolationstank " angebracht. "Sie haben bei den Seepferdchen gearbeitet, Herr Professor ?" fragte sie, während sie sich in Richtung Ausgang wandte. Endlich kam Lomax wieder zu Wort: "Ja, die Weibchen tragen bald aus und ich habe keine Zeit zu verlieren. Wenn Sie sich deshalb bitte beeilen würden....?! " Janet starrte ihn einen Augenblick lang an, dann lachte sie: "Natürlich, entschuldigen Sie bitte die Störung, Herr Professor und noch einmal vielen Dank. Ich bin schon weg." Die junge Frau verließ das Aquarium und Lomax schloß hinter ihr ab.

Einige Minuten später wurde Lomax von der Polizei abgeführt, die Janet gerufen hatte. Ein Kriminalbeamter erklärte ihr: "Er heißt tatsächlich Lomax und ist ein alter Kunde von uns. Als vor einer Woche ein Geldbote hier in der Nähe überfallen wurde, ging Lomax uns zwar wenig später auch in´s Netz. Aber er hatte weder die Beute bei sich noch konnte der Bote ihn identifizieren und wir mußten ihn laufen lassen. Tatsächlich hatte er die Geldbombe nach dem Überfall im Bruttank versteckt, spazierte dann seelenruhig in unsere Ringfahndung, ließ dann einige Zeit vergehen, hat sich dann problemlos einen Schlüssel zum Portal verschafft und wollte heute die Beute holen, als Sie ihn störten. Da er das Aufsehen möglicher Dritter vermeiden wollte, öffnete er Ihnen und gab sich als Wissenschaftler aus. Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, daß er log, Miss Gere ?"

Janet lächelte: "Da gab es mehrere Dinge, die mich mißtrauisch machten. Da war zum Beispiel seine auffallende Eile. Dann sagte Lomax, er arbeite noch, aber ich war dabei, wie der Wachmann von außen abschloß. Plötzlich aber steckte der Schlüssel von innen, Lomax mußte also erst danach gekommen sein. Sein Aufzug, der nasse Arm, die Taschenlampe - das waren alles Anhaltspunkte, wären aber möglicherweise noch erklärbar gewesen. Den eigentlichen Fehler hat der vermeintliche Professor gemacht, als er sagte, die Seepferdweibchen würden bald austragen. Aber Seepferdchen sind ein Kuriosum der Natur und das steht an den Schriftleisten des Hauptbassins zu lesen, ganz zu schweigen davon, daß ein Professor es wissen müßte: Bei den Seepferdchen tragen die Männchen die Jungen aus !"


Der getauschte Tod
Eine Novelle von Thomas Siebe
Sprache: Deutsch
E-Book - 63 Seiten - 2 € bei xinxii.com
Erscheinungsdatum: Februar 2008
England 1789 : Ein Freibeuter und ein Betrüger tauschen die Identität. Einer der Männer verbirgt einen Schatz, der andere ein dunkles Geheimnis. Während für den einen am Ende der Galgen steht, findet sich der andere bei seiner Deportation nach Australien inmitten der Schiffskatastrophe der GUARDIAN wieder, kämpft mit Kapitän James Riou ums Überleben, muß einen Schatz verteidigen und seinen Ausbruch planen.

 Der getauschte Tod von Thomas Siebe

Copyright Thomas Siebe © 2002

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