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Persönlichkeitstheorien
von Lawrence A. Pervin

UTB Stuttgart 2000


Die humanistische Persönlichkeitstheorie von Abraham Maslow

(Script 1994)

MASLOWS Theorie gehört in die Reihe der organismischen Modelle, deren zentrales Axiom ist, daß der Mensch grundsätzlich aktiv ist, Reize aufgrund eigener Aktivität verarbeitet und sie strukturiert. Er reagiert also nicht auf die Umwelt, sondern wirkt auf sie ein, indem er sie innerlich konstruiert und handelt.

Für die Grundpositionen der humanistischen Psychologie, die neben den Hauptströmungen Behaviorismus und Psychoanalyse sozusagen die "dritte Kraft" darstellt, sind einige Argumente kennzeichnend (insbesondere in der Abgrenzung zu den anderen Strömungen):
Die Person wird als eine integrierte Ganzheit ( Holismus ) betrachtet. MASLOW wendet sich dabei insbesondere gegen den Elementarismus der Experimentalpsychologie.
Eine Übertragung von Ergebnissen der experimentellen Psychologie von Tieren auf Menschen sieht MASLOW deswegen als unzulässig an. Dies ist eine Dehumanisierung der Psychologie. Tiere können z.B. keine Scham, keinen Humor und keine Eifersucht zeigen.
Die humanistische Psychologie geht davon aus, daß der Mensch grundsätzlich gut ist. Menschen - so MASLOW - haben allenfalls noch Rudimente von Instinkten und wenn sie schlecht handeln, liegt das an den Umweltbedingungen, die grundlegende Bedürfnisse nicht befriedigen können.
Der Mensch besitzt angeborene Kreativität, kreatives Wachstum ist ein wesengemäßes Charakteristikum des Menschen.
Die Grundlagen der humanistischen Psychologie fußen auf positiven Aspekten der menschlichen Entwicklung und thematisieren nicht, wie die Psychoanalyse, pathogene Aspekte. Wer abnorme und neurotische Verhaltensformen als genuin für den Menschen ansehe, so MASLOW, kann nur eine "verkrüppelte" Psychologie hervorbringen.

MASLOW steht im Gegensatz zu einer Psychologie, die wertfrei konzipiert ist . Seine Wissenschaftsauffassung umfasst die Orientierung an grundlegenden Wertvorstellungen vom menschlichen Wesen.
Abraham MASLOW wollte mit seiner " holistisch-dynamischen " Theorie eine Konzeption schaffen, die über die beiden bestimmenden Denkrichtungen in der Psychologie - Behaviorismus und Psychoanalyse- hinausging.

Im Kern seiner Theorie steht die Motivation: Er erkennt fünf Kategorien von Bedürfnissen, die hierachisch angeordnet sind. Jede dieser Bedürfnisklassen ist angeboren. Damit ein hierachisch höher stehendes Bedürfnis entfaltet wird, müßen erst die unteren Bedürfnisse befriedigt werden. Die Hierachie gruppiert sich nach der Dringlichkeit ihrer Befriedigung: Auf der untersten Stufe steht deswegen das rein physiologische Bedürfnis wie Nahrungsaufnahme, Schlaf, Sex in den kuturspezifisch unterschiedlich geformten Manifestationen. Erst die Sättigung dieses Basisbedürfnisses macht das Auftreten anderer Motive erst möglich. das nächst höhere Motiv ist das Sicherheitsbedürfnis : Es umfasst die Bestrebungen nach Sicherheit, Stabilität, Schutz, Angstfreiheit, Strukturen und Ordnung. Religion ist dann nach MASLOW der Versuch, die Unsicherheiten des Unerklärbaren zu vermeiden. Das Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit stellt sich demnach erst ein, wenn die obigen Motive erreicht sind. Ist auch dieses Bedürfnis befriedigt, stellt sich das Bedürfnis nach Achtung ein. Hier kann man zwei Varianten unterscheiden:
Zum einen das Bedürfnis nach Kompetenz ,Stärke, Unabhängigkeit und Vertrauen angesichts der Welt, zum anderen das Motiv, einen hohen Status einzunehmen, einen guten Ruf zu haben , kurz: Respekt und Hochachtung von anderen Leuten.
Sind alle diese Bedürfnisse erfüllt, kann sich das letzte und zentralste Motiv in MASLOWS Theorie einstellen: Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung, also alles zu werden, was zu werden man fähig ist.

MASLOW nennt eine Reihe von Kriterien für selbstverwirklichende Menschen (holistische Analyse):
Realitätsangemessene Wahrnehmung, Akzeptierung des Selbst, anderer und der Natur, Spontaniität und Natürlichkeit, problem- statt ichzentriert, Objektivität, Autonomie, unverbrauchte Wertschätzung, mystische und Grenzerfahrungen, Gemeinschaftsgefühl, tiefere interpersonelle Beziehungen, demokratische Charakterstruktur, hohe ethische Veranlagung, Sinn für philosophischen Humor, Kreativität, relativer Unkonformismus mittels realistischer Einschätzung.
All diese Merkmale zusammenhenommen würden einen Supermenschen ergeben, MASLOW sagt aber auch, den perfekten Menschen gäbe es nicht.

Menschen werden von Wachstumsmotivation (Metamotivation) und von Mangelmotivation angetrieben.
Die Mangelmotivation soll physische und psychische Defizite ausgleichen, Spannungsintensitäten ( ,die der Körper infolge Mangels aufgebaut hat) sollen nach dem Prinzip der Homöostase abgebaut werden. Sollwerte sollen wieder hergestellt werden.
Die Wachstumsmotivation hingegen tritt bei der gleitenden Sollwertsveränderung auf, die Entwicklung der Person wird immer differenzierter bis zur Selbstverwirklichung. Hier wird die Spannung nicht reduziert, sondern nach dem Prinzip der Heterostase erhöht. Voraussetzung aber ist die Befriedigung der Defizitmotive.

Sind also die äußeren Bedingungen gut und können die Defizite befriedigt werden, kann die dem Menschen immanente Wachstumstendenz zur ständigen Selbstvervollkommenung beginnen.
Selbstverwirklichung hängt also durchaus von äußeren Bedingungen ab, letztlich aber ist es die Person selbst, die sie zur Geltung bringt. Ist also die Umwelt gut, können sich Konsequenzen der permissiven Befriedigung ergeben, die Maslow in 61 Punkten aufzählt, z.B. Charakterzüge wie "gesunde Großzügigkeit, Mut, Entspannung, Selbstvertrauen, Größe, Freundlichkeit" usw.

MASLOWS Theorie wurde durch empirische Ergebnisse bestärkt, und zwar zum einen mit der Entwicklung des POI (Personal Orientation Inventory) durch SHOSTROM und folgender Anwendungen und durch die Ergebnisse von GRAHAM/BALLOUN (1973), die den universellen Ablauf einer hierachisch ausdifferenzierten Motiventwicklung implizieren.
INGLEHEART (1977,1979) , der zwischen materiellen und postmateriellen (an Selbstverwirklichung orientiert) Bedürfnisklassen unterschied, fand, daß postmaterielle Bedürfnisse seltener sind.

Kritik:

Die humanistische Psychologie ist nach Meinung ihrer Kritiker konformistisch und oberflächlich: Sie beschränke sich auf die Propagierung wünschenswerter Zielzustände und ignoriere die menschliche Realität von Gewalt, Zerstörung und psychischer Pathologien.
Da das Gelingen der Selbstverwirklichung letztlich von der Person selbst und inneren Determinanten abhängig ist, werden mögliche äußere Ursachen der bedrohten Selbstwerdung ausgeklammert.
Zudem sind Maslows Begriffe unscharf und nicht zu operationalisieren. Auch fehlt eine Möglichkeit, spezifische Bedingungen für motivationale Persönlichkeitsentwicklung darzustellen, der Übergang von einer Hierachiestufe zur anderen bleibt zu allgemein.
Auch die Vorstellung MASLOWS, das die permissive Bedürfnisbefriedigung zur Selbstverwirklichung führt, ist problematisch: Exzessive Bedürfnisbefriedigung kann zu psychischen Defekten führen. Und last but not least ist eine therapeutische Verwendung der Theorie nicht einmal ansatzweise erarbeitet.

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