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Carl Rogers
von Norbert Groddeck
Primus Verlag 2002 - broschiert - 213 Seiten
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Die Selbsttheorie von Carl ROGERS

(Script 1994)

Die Selbsttheorie von ROGERs ist im Kontext der humanistischen Ansätze der Persönlichkeitstheorien zu verstehen : Der Mensch ist von Natur aus 'gut', besitzt ein immanentes Potential, um sich selbst zu entfalten (verwirklichen) und ist in seinem Wesen einzigartig.

Es dominieren die organismischen Aspekte, Verhalten kann aus einem inneren Bezugssystem des Individuums heraus verstanden werden. Dieses Bezugssytem setzt sich aus den (subjektiven) Erfahrungen des Individuums zusammen, die in ihrer Gesamtheit das einzigartige Erfahrungsfeld oder auch phänomenales Feld darstellen.

ROGERS betont die Subjektivität des Individuums im Sinne des Thomas-Theorems , die subjektiv erfahrene Realität ist der eigentliche Gegenstand der Persönlichkeitspsychologie . Methodisch ist der Zugang zur Person bzw. des Erfahrungsfeldes also nur phänomenologisch "von innen" möglich.

Für ROGERS gibt es nur ein einziges - angeborenes - dynamisches Prinzip, daß den Organismus als Motivationssystem treibt: die Aktualisierungstendenz (Erfahrungen machen wollen).
Er definiert diesen Begriff als eine inhärente Tendenz des Organismus, alle seine Möglichkeiten so zu entwickeln, daß der Organismus erhalten werden und sich entfalten kann . Alle andere Bedürfnisse werden in den Dienst dieses Prinzips gestellt.

Die Aktualisierungstendenz hat nicht nur spannungsreduzierende Funktionen, sondern kann sie - im Sinne der MASLOW´schen Wachstumsmotivation - auch erhöhen (Suchen nach entspechenden Situationen).

Neben dem Motivationsprozeß der Aktualisierungstendenz setzt ROGERS einen Regulationsprozeß, den er organismischen Bewertungsprozeß nennt. Dieser Proeß informiert den Organismus, ob der Input für die Aktualisierungstendenz förderlich ist oder nicht. Maßstab der Bewertung ist somit die Aktualisierungstendenz.

Das konkrete Verhalten einer Person ist somit stets in seinem Motivationszusammenhang sowie in seinem organismisch bewerteten phänomenalen Feld zu sehen .

Mit der zunehmenden Differenzierung des phänomenalen Feldes entsteht auch ein Segment, daß sich auf das Selbst (den Organismus selbst) bezieht.
Dieses Segment nennt ROGERS das Selbstkonzept (Synonym zu Selbst od. Selbststruktur). Zur Entstehung des Selbstkonzeptes ist der Vorgang der Symbolisierung nötig:

Diese Repräsentation des gesamten Erfahrungsfeldes grenzt u.a. das Selbstkonzept von nicht selbstbezogenen Erfahrungen ab. Im Falle von Selbsterfahrungen hat die Aktualisierungstendenz nur das Selbstkonzept zum Gegenstand.

In diesem Zusammenhang spricht ROGERS von der Selbstaktualisierungstendenz . Dieser Mechanismus im Verein mit der organismischen Bewertung sorgt für die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit, indem positive Selbsterfahrungen angestrebt und negative vermieden werden.

Dies ist gleichsam ein angeborenes Belohnungssystem, zwei weitere Belohnungssysteme werden vermutlich durch Lernprozesse erworben:
Grundlage des zweiten ist das Bedürfnis nach positiver Beachtung und des dritten das Bedürfnis nach (positiver) Selbstachtung. Jene Selbsterfahrungen, die sich im Rahmen des organismischen Bwertungsprozesses einstellen, machen den Inhalt des ersten Systemes aus.Der Vorgang ist biologisch determiniert. Die negativen und positiven Erfahrungen (Erfahrungen mit externen Belohnungsquellen) in der Beachtung stellen den Inhalt des zweiten Belohnungssystemes dar, während der Inhalt des dritten aus verinnerlichten (ebenfalls externen) Bewertungsmaßstäben und Selbsterfahrungen besteht. Die beiden letzten Systeme sind durch Lernprozesse erworben. Bei einer voll funktionierenden Persönlichkeit stimmen die Inhalte der drei Systeme weitgehend überein und sind kongruent.

Bei der Beachtung unterscheidet ROGERS zwischen bedingter positiver Beachtung und unbedinger positiver Beachtung, wobei erstere dyfunktional sein kann und das Selbstkonzept des Kindes (Wir sind noch bei der Entwicklung) schädigen kann.
Denn aus der externen Situation heraus entwickelt sich inhärent eine bedingte und unbedingte positive Selbstachtung als verinnerlichtes Selbstbewertungssystem, daß durch eine mehr oder weniger große Zahl von Bedingungen bestimmt ist, uner denen positive Selbsterfahrungen gemacht werden.

Gestörtes Verhalten tritt nun auf, wenn Diskrepanzen zwischen der organismischen Bewertung der Selbsterfahrung (Folge des Selbstaktualisierungsprinzips) und den internalisierten Bewertungen der Selbsterfahrungen (externe Quellen) auftreten, also einer Inkongruenz zwischen dem Selbst und den Erfahrungen. Die danach nicht zulässigen Selbsterfahrungen werden unangemessen symbolisiert:
Sie werden entweder nicht als Selbsterfahrungen erkannt oder im Selbstkonzept falsch repräsentiert.

Diesen unangemessenen Symbolisierungen entsprechend gibt es vorgeschaltete Abwehrhaltungen:
Zum einen die Verneinung des Bewußtseins (Erfahrung wird nicht zum bewußten Erleben zugelassen) und zum anderen die Verzerrung der Bewußtheit einer Erfahrung (zensierte Erfahrung für die Konsistenz von Erfahrung und Selbststruktur).

Vage ist sich die Person der Inkongruenz aus diesen Abwehrhaltungen und der resultierenden unangemessenen Symbolisierung bewußt und in einem Zustand der Verletzbarkeit. Diese unscharfe Wahrnehmung bezeichnet ROGERS als Subzeption . Subzipierte Erfahrungen machen Angst, weil bei deutlicherem Bewußtsein der Inkongruenz zwischen Selbst und Erfahrung das Selbstkonzept in Gefahr wäre.

Bei einer voll funktionierenden Person hingegen stimmen die angeborene organismische Bewertung und die erworbenen Bewertungen von Erfahrungen weitgehend überein (nicht statisch gesetzt, sondern immer im Prozeß).

Neben der Kongruenz von Selbst und Erfahrung gibt es noch weitere Charakteristika für diese Personen:
Die Offenheit für Erfahrungen, die nur gewährleitet ist, wenn diese Erfahrungen nicht wieder das Selbstkonzept gefährden, also keine Inkongruenz besteht.
Die optimale psychologische Anpassung, d.h. die korrekte Symbolisierung.
Die Extension der Wahrnehmung, d.h. die Wahrnehmung ist nicht selektiv im Sinne von unzulässigen Abstraktionen und Klischees.
Und letztlich Reife, d.h. eine Person ist nach ROGERS dann reif, wenn sie keine Abwehrhaltungen entwickelt, extensional wahrnimmt, Verantwortlichkeit für das eigene Verhalten, Kongruenz usw.

Ziel des Therapieansatzes von ROGERS ist es, in Richtung auf diese Idealperson hin zu führen, die Diskrepanz zwischen Selbst und Erfahrungen aufzuheben.

Für die klientenzentrierte Therapie sind einige Voraussetzungen notwendig:
Klient und Therapeut sind in Kontakt, der Klient ist im Zustand der Inkogruenz, der Therapeut im Zustand der Kongruenz, der Therapeut empfindet positive Beachtung für den Klienten, empfindet empathisches Verständnis und der Klient nimmt die positive Beachtung und die Empathie wahr.

Ziel der Therapie ist es, Abwehrhaltungen zu erkennen, offen für neue Erfahrungen zu werden, die Diskrepanz zwischen dem Selbst und fremden Erfahrungen zu realisieren und die Bewertungsmaßstäbe aus dem Selbst zu entfernen, die ihm von Außen oktroyiert wurden.
Der Klient soll sich mehr an seinem wahren Selbstkonzept orientieren.

ROGERS Theorie weist vergleichsweise umfangreiche empirische Stützungen auf, wobei der Schwerpunkt aber eher auf Untersuchungen über den Therapieprozess, Klientenmerkmale und Veränderungen der Klienten als auf den Kernannahmen der Theorie selbst liegt.

CHODORKOFF ging der Frage nach, welche Beziehungen zwischen dem Selbstkonzept, Abwehrhaltungen und dem Angepaßtsein einer Person bestehen.
Dazu testete er Selbst- und Fremdeinschätzungen, weil er davon ausging, das starke Abwehrhaltungen größere Diskrepanzen zwischen Fremd- und Selbsteinschätzung hervorrufen. Auch wiesen weniger angepaßte (realitätsgemäße Einstufung= Übereinstimmung Selbstkonzept und Fremdbeurteilung, weil bessere Artikulation) Personen höhere Unterschiede in Selbst- und Fremdeinschätzung auf.

Empirisch bekamen viele Erkenntnisse ROGERS durch starke Zusammenhänge stärkeres Gewicht, z.B. wurden Erfahrungen, die dem Selbstkonzept weniger entsprachen, auch weniger zugelassen, Unzufriedenheit mit dem Selbstkonzept zeigte Anpassungsprobleme usw.

KRITIK

1. ROGERS theoretisches Gebäude fundiert auf einer anthropologischen Grundlage, die empirisch nicht überprüft werden kann, sondern "Glaubenssache" ist

2. Die Theorie bezieht sich fast ausnahmslos auf das phänomenale Feld des Individuums und ist durch und durch subjektivistisch. Der Kern der Theorie besteht lediglich aus dem Konflikt zwischen dem angeborenen Motiv der Selbstaktualisierung und zwischen den beiden sozialisationmäßig erworbenen Bedürfnisen nach positiver Beachtung und Selbstachtung

3. Die Quellen letzterer entstehen durch zwischenmenschliche Beziehungen, denen Rogers aber nicht weiter nachgegangen ist. Warum zum Beispiel zeigen Eltern bedingte positive Beachtung oder warum sind sie in der Lage , Kinder bedingungslos zu akzeptieren.

4. ROGERS Theorie ist nicht differenziert genug: z.B. klammert er die gesellschaftlichen Bedingugen aus, trägt individuellen nterschieden zwischen den Individuen keine Rechnung, Selbstkonzept ist ein globaler Begriff, ist aber nicht dimensional oder strukturiert aufgedröselt usw.

5. Die meisten theoretischen Konstrukte von ROGERS Theorie sind einer Operationalisierung nicht zugänglich, obgleich er selbst sich stark für empirsche Belege einsetzte. Z.B. erscheint das Messen von Aktualisieungstendenz oder dem organismischen Bewertungsprozeß unmöglich, da sie ungelernt sind, im Meßvorgang aber von Lernprozessen nicht zu trennen wären.

6. Die eigentliche Inkongruenz von Selbstkonzept und Erfahrung kann nur durch Ersatzbegriffe- und konstrukte gemessen werden (z.B. reales und ideelles Selbstbild)


t-siebe@gmx.net

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