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Die sozial-kognitive Lerntheorie von Albert BANDURA

(Script 1994)

Albert BANDURAs Konzeption wird in der Sparte der dialektischen Modelle vom Wesen des Menschen geführt, obgleich die Wurzeln dieser Theorie im Behaviorismus deutlich zu erkennen sind. Aber im Gegensatz zum mechanistischen radikalen Behaviorismus , der alles Verhalten ausschließlich auf Umweltkontrolle zurückführt, betont Bandura ebenso das Prinzip der Selbststeuerung des Menschen in einem transaktionalen Rahmen des Person-Umwelt-Bezugs. Man könnte auch von einem liberal-kognitiven Behaviorismus sprechen.

BANDURAs Position sieht eine wechselseitige Beeinflussung von Person und Umwelt vor. Das ist das Konzept des reziproken Determinismus, die kontinuierlich reziproke Interaktion zwischen kognitiven und umweltbezogenen Determinanten.

Zentrales Konzept der Theorie ist das Modellernen, d.h. ein Lernprozeß kann auch stattfinden, wenn eine lernende Person nicht aktiv in den betreffenden Lernprozeß involviert ist. Damit kann nicht nur die Veränderung von Verhalten erklärt werden, sondern auch die Entstehung neuer Verhaltensweisen. Mit letzterem Phänomen hat der radikale Behaviorismus von WATSON mit seiner Gewohnheitsbildung und SKINNER mit seiner Verhaltensformung Schwierigkeiten.

Beim Lernen am Modell beobachtet z.B. eine Person A mit dem Verhaltensrepertoire V zum Zeitpunkt t1 eine Person B, die das Verhalten w zeigt. Zum Zeitpunkt t2 verfügt die Person A über das Verhaltensrepertoire V + w.

Nach BANDURA führen bestimmte kognitive und emotional-motivationale (subjektintern ablaufende) Prozesse zu diesem Lernvorgang:

Aufmerksamkeitsprozesse,
Gedächtnisprozesse,
motorische Reproduktionsprozesse und
Motivationsprozesse.

Ohne die Aufmerksamkeitsprozesse kommt es gar nicht erst zur Beachtung der modellierten Ereignisse. Hierbei sind sowohl die Eigenschaften des Beobachteten als auch die des Beobachters relevant: Wie differenziert und komplex ist das Beobachtete? Welche Qualität hat es? Welche affektiven und motivationalen Aspekte binden den Beobachter an das Beobachtete? Welche individuellen Kompetenzen und welche Bereitschaft hat der Beobachter, das Beobachtet wahrzunehmen? Gibt es frühere Erfahrungen mit dem zu Erlernenden?
Entscheidend sind also folgende Begriffe:

Modellierungsreize:
Differenziertheit,
affektive Valenz,
Komplexität,
funktionaler Wert

Beobachter:
sensorische Fähigkeiten,
Niveau der Erregbarkeit,
Motivation,
frühere Verstärkungen,
Wahrnehmungshaltung.

Das Zusammenspiel von externen Modellierungsreizen und beobachterinternen Verarbeitungsprozessen ist schon hier offenkundig.

Die Gedächtnisprozesse zur internen Speicherung des Beobachteten teilen sich ebenfalls in Teilprozesse:

Das Beobachtete kann symbolisch kodiert (symbolische Kodierung) werden
oder es wird kognitiv organisiert (kognitive Organisation), in dem verschiedene Aspekte geordnet und dann miteinander verbunden werden.
Es kann gedanklich noch einmal nachempfunden werden (symbolische Wiederholung)
oder durch Bewegungen rekapituliert werden (motorische Wiederholung) .

Letzteres verweist auf eine weitere Kategorie von Prozessen, die zu einer adäquaten Übernahme der modellierten Reize notwendig ist:

Motorische Reproduktionsprozesse
BANDURA nennt als Teilprozesse
körperliche Fähigkeiten (z.B. manuelle Geschicklichkeit),
Verfügbarkeit von Teilreaktionen (bereits erlernte Reaktionen, die dem Beobachteten integriert werden),
Selbstbeobachtung bei der Reproduktion (wortwörtlich) und
Feedback der Genauigkeit (Selbst-Rückmeldung).

Die vierte wichtige Kategorie von personeninternen Vermittlungsvariablen ist die Motivation. Hier muß man zwischen verschiedenen Arten der Verstärkung unterscheiden:

Externe Verstärkung entspricht der SKINNER´schen Verstärkung: Ein Verhalten wird belohnt oder bestraft.
Die stellvertetende Verstärkung ist eines der wichtigsten Konzepte in BANDURAS Theorie: Die negativen oder positiven Konsequenzen werden beim Modellierungsreiz beobachtet bzw. bei der beobachteten Person. (z.B. wird ein Junge für ein besonderes Verhalten gelobt, was die Verstärkungserwartung für dieses Verhalten bei einen Beobachter erhöht)
Die dritte Verstärkungsart ist die Selbstverstärkung: Diese wichtige Motivationsquelle wird aus internen Bedingungen gespeist. Z.B. kann man sich für ein Verhalten selbst abhängig von den internen Maßstäben, die man anlegt, belohnen oder bestrafen (emotionale Selbstbelohnung/bestafung). Dies bedarf natürlich wieder einer bestimmten Selbstbeobachtung.

Deutlich geworden ist in der Beschreibung der Prozesse, daß bei der Person nicht nur erhebliche kognitive Aktivitäten vorausgesetzt werden, sondern auch, daß mit den Verstärkertypen nicht mehr ausschließlich bestimmte Konsequenzen im Verhalten der beobachteten Person zur Ausführung kommen, sondern das sie bestimmte Verstärkungserwartungen ausbildet. Es gilt nicht nur:
"Verändere die Kontingenzen, dann ändert sich das Verhalten",
sondern auch "Veränderst du dein Verhalten, ändern sich die Kontingenzen".

Es besteht also ein deutlicher Unterschied zwischen der Aneignung und Ausführung des Modellverhaltens.
Die Aneignung, quasi eine Kopie der Modellierungsreize, dient als Orientierung für eine eventuelle Ausführung der Nachbildungsleistung.
Die Ausführung ist aber von den Verstärkungserwartungen abhängig, die von der Person zugrunde gelegt werden, um das Verhalten auszuführen. Ein Experiment von Bandura (1965) zeigte den Unterschied deutlich:

Eine Gruppe gleichaltriger Mädchen und Jungen wurde in drei Gruppen geteilt, die jeweils einen Videofilm sahen, in dem eine bestimmte Modellpuppe auf bestimmte Weise aggressiv behandelt wurde. In der ersten Gruppe wurde das aggressive Verhalten der Person im Film belohnt , in der zweiten bestraft und in der dritten blieb das Verhalten ohne Konsequenzen. Nachfolgend wurde jedem Kind einzeln in eine freie Spielsituation geführt und die Anzahl der aggressiven Übergriffe auf die Puppe registriert. Die Ergebnisse entsprachen den Erwartungen, die Gruppe, die negative Verstärkungserwartungen übernommen hatte, war weniger aggressiv gegen die Puppe. Nun wurden die Kinder aufgefordert, das Verhalten gegen die Puppe nachzuahmen und es gab keine Unterschiede zwischen den Gruppen.

Es gibt also erhebliche Unterschiede zwischen Verhaltenspotential (was jemand tun kann) und was er an Verhalten wirklich äußert.

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Die Beobachtung in der stellvertretenden Verstärkung beachtet also genau die positiven/negativen Konsequenzen des Verhaltens und ist so eine wichtige Grundlage für die Übernahme und das Auftreten des Modellverhaltens. Nun kann eine stellvertetende Verstärkung verschiedene Effekte haben:

Reproduktionseffekt, (Ent)hemmungseffekt und Auslöseeffekt.

Der Reproduktionseffekt bezieht sich auf die Übernahme von Verhaltensmustern, die für die Person neu sind bzw. in der bekannte Teilreaktionen in neuer Form zusammengesetzt sind.

Beim (Ent)hemungseffekt wird nichts Neues übernommen, sondern die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines bereits im Repertoire enthaltenden Verhaltens wird erhöht oder gesenkt (z.B. Abschreckung oder Ermunterung).

Ein weiterer Effekt, der sich aus der stellvertetenden Verstärkung ergeben kann, ist der Auslöseeffekt: Dabei wird eine Person durch die Beobachtung einer Modellperson für einen bestimmten Verhaltensbereich sensiblisiert. Z.B. sieht ein Student andere Studenten arbeiten und läßt von seiner Freizeitbeschäftigung ab, um selbst zu arbeiten, aber eben nicht zwingend sie gleiche Arbeit wie die Modellpersonen. Die stellvertretende Verstärkung erfüllt eine Orientierungsfunktion, ohne das das beobachtete Verhalten exakt kopiert werden muß.

Ob und in welchem Maße eine Person durch Beobachtungslernen ihr Verhalten ändert , hängt wiederum von verschiedenen Bedingungen ab:

Wichtig sind zunächst die individuellen Merkmale der lernenden Person, wie wir schon bei den Modellierungsprozessen gesehen haben. Neben den dort genannten Eigenschaften gibt es noch eine Fülle anderer, die hier Einfluß haben, z.B. interindividuell variierende Verhaltensdispositionen wie Abhängigkeit, Selbstsicherheit und soziale Isolation.

Ebenso wichtig sind auch die Merkmale der Modellperson, die sowohl beobachtet wie auch durch die lernende Person vermutet werden können. Der Status der Modellperson z.B. kann wichtig sein oder ob sie der lernenden Person bereits bekannt ist. Übrigens kann zwar das Verhalten vorerst durchaus übernommen werden, seine Resistenz im Verhaltensrepertoire hängt aber auch immer noch davon ab, ob es sich bewähren wird.

Die Qualität der Beziehung zwischen lernender und Modellperson spielt ebenfalls eine Rolle, ob und in welcher Intensität das Verhalten übernommen wird, die Art des Kontakts, die besteht. So wird man von einer Person, zu der man in inniger Beziehung steht, mehr und eher etwas übernehmen bzw. Verhalten zeigen als von einem völlig Fremden.

Zuletzt sind auch die Merkmale der Situation wichtig, in der das Beobachtungslernen stattfindet.

Ein weiterer zentraler Begriff von BANDURAS Theorie ist der Begriff der Selbstwirksamkeit:

Wie o.g. gibt es eine Reihe von Bedingungen, die darüber entscheiden ob oder mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person ein modelliertes Verhalten auch ausführt. Ein weiteres personeninternes Merkmal, auf das BANDURA in letzter Zeit besonders zurückgreift, ist die Bewertung der Person in ihrer Selbstwirksamkeit oder ihre Wirksamkeitserwartung, d.h. traut sich eine Person ein bestimmtes Verhalten zu oder nicht? Hier ist eine wichtige konzeptionelle Klärung vonnöten. Die Erwartung der Person kann sich auf das Verhalten selbst beziehen (Wirksamkeitserwartung) oder das Ergebnis des Verhaltens (Ergebniserwartung).

Eine Ergebniserwartung ist definiert als die Schätzung einer Person, das ein Verhalten zu bestimmten Ergebnissen führen wird.

Eine Wirksamkeitserwartung hingegen ist die Überzeugung, das man erfolgreich ein bestimmtes Verhalten ausführen kann, das erforderlich ist, um Ergebnisse zu erzielen.

Nun kann eine Person ihre Handlungsmöglichkeiten (Wirksamkeit) realistisch einschätzen, überschätzen und unterschätzen, was natürlich zu unterschiedlichen Ergebnissen führt, was die Handlungsausführung betrifft. Die Wirksamkeitserwartung wird von vier verschiedenen Quellen bestimmt:

Konkrete Leistungen einer Person führen bei Erfolg zu einer Verstärkung und bei Mißerfolg zu einer Schwächung der Wirksamkeitserwartung.

Die bereits bekannten stellvertetenden Erfahrungen (durch stellvertetende Verstärkung) können unter bereits bekannten Bedingungen (Merkmale des Lernenden, der Modellperson, derSituation) die Selbstwirksamkeit beeinflussen, wozu noch die Vorhersagbarkeit und Kontrollierbarkeit der Ereignisse kommt.

Verbale Überredung (z.B. Hypnosetherapie) könnte eine weitere Quelle sein, obwohl BANDURA die Repräsentation personenintern als recht kurzlebig ansieht.

Das Ausmaß emotionaler Erregung einer Person kann für den Aufbau von Wirksamkeitserwartungen von Bedeutung sein. Z.B. ist ein Zuviel oder Zuwenig von emotionaler Erregung nicht leistungsfördernd. Die Gefühlslage kann demnach nachhaltig die Wirksamkeitserwartungen beeinflussen.

Zwischen Selbstwirksamkeit und Verhalten besteht eine wechselseitige Abhängigkeit. So ist die Selbstwirksamkeit bedeutsam für zukünftiges Verhalten. Personen werden Situationen aufsuchen und meiden, in der ihre Wirksamkeitserwartung hoch oder niedrig ist.

Wirksamkeitserwartungen haben Einfluß auf die Ausdauer (Je höher, desto mehr) bei Bewältigung einer Situation, sie beeinflussen die Selbstregulation (Je höher, desto aktiver in Auswahl, Gestaltung und Veränderung von Situationen) und Selbstentwicklung (Je höher, desto innovativer). Im Wechselspiel zwischen Selbstwirksamkeitserwartung und Ergebniserwartung können so bestimmte Aspekte der Persönlichkeit dominieren:

Sind Wirksamkeits- und Ergebniserwartung stark ausgeprägt, wird Handeln sicher und angemessen

Hohe Selbstwirksamkeit bei niedriger Ergebniserwartung führen entweder zu Protest oder Milieuwechsel

Niedrige Selbstwirksamkeit bei hoher Ergebniserwartung führen zu Selbstabwertung oder Verzweiflung

Niedrige Selbstwirksamkeits- und Ergebniserwartung führen zu Resignation oder Apathie.

Hochinteressant ist noch, das BANDURA das Selbstwirksamkeitskonzept auch auf Gruppen und Gesellschaften übertragen hat. Er spricht dabei von einer kollektiven Wirksamkeit und kollektiven Ergebniserwartungen.

KRITIK:

Positiv:

Positiv zu vermerken ist, das BANDURA den deterministischen Rahmen des Behaviorismus gesprengt hat, das er kognitive Prozesse in ein interaktionales Person-Umwelt Gefüge einbezogen hat. Die strenge Trennung zwischen Ursache (Unabhängige Variable) und Wirkung (abhängige Variable) ist aufgehoben. Trotzdem verbleibt BANDURA bei den Standards der behavioristischen Methodologie in der Forschungsorientierung. Seine guten Erklärungsrezeptionen von Änderungen des Verhaltens und personeninterner Bedingungen lassen sich im Bereich der Therapie gut anwenden und arbeiten mit relevanten Problemen der Humanpsychologie.

Negativ:

BANDURAs Konzeption ist im eigentlichen Sinne keine umfassende Persönlichkeitstheorie. Seine Schwerpunkte Beobachtungslernen und Selbstwirksamkeitskonzept sind allenfalls Bestandteile einer Persönlichkeitstheorie. Er ist an inter- und intraindividuellen Unterschieden und deren Erklärung nicht interessiert.

BANDURA betrachtet eher situations- und problemspezifisches Verhalten bzw. Prozesse menschlichen Verhaltens. Es fehlt die Struktur, z.B. wie bei ROTTER die generalisierten Erwartungshaltungen.

BANDURAS Ansatz ist mangelhaft in Bezug auf die entwicklungspsychologische Fundierung. Wie kommt es z.B. zu den kognitiven Fähigkeiten, die zur Informationsverarbeitung der modellierten Reize notwendig sind.

Allgemeinpsychologisch z.B. fehlt die Definition von Kognition und seiner Abgrenzung, also ganz allgemein Definitionen.

Zwar hat BANDURA eine transaktionale Sicht des Person-Umwelt-Modells, aber es ist nur im weiteren Sinne dialektisch. Spannungen und Konflikte in diesem System werden nicht thematisiert. Seine Position ist letztlich doch wertneutral.

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