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Massenmedien

Was ist eigentlich ein Massenmedium ? Die bekanntesten Vertreter dieser Mediengattung fallen uns natürlich sofort ein: Fernsehen, Radio, Zeitung und Bücher. Wenn wir aber von Massenmedien reden, meinen wir auch Organisationen wie Sender, Verlage oder Filmproduktionen. Hier sind Mißverständnisse vorprogrammiert. Deswegen will ich kurz darstellen, was ich unter Massenmedien verstehe: Ein Medium ist ein Mittel zur Kommunikation. Das Medium, mit dem wir am häufigsten umgehen, ist der Mensch selbst bzw. die menschliche Sprache. Ich beziehe mich hier sowohl auf die Laut- wie auch auf die Gesten- oder Berührungssprache (bei Taubblinden). Nicht zu vergessen ist die Körpersprache, die nicht nur genannte Sprachen, sondern den ganzen Menschen selbst zu Medium machen. Diese Sprachen selbst sind aber kein Massenmedium, da das Medium primär zur Interaktion (zweiseitige Kommunikation) bzw. Kommunikation für bestimmte Empfänger genutzt wird, deren Anzahl überschaubar ist. Hier sind die Übergänge jedoch recht fließend, denn die Frage ist:

Kleine Geschichte der Massenmedien - Massenkommunikationsmedien

Methodische Probleme der Medienwirkungsforschung - ein Besinnungsaufsatz

Der Einfluß der Massenmedien auf Ausländerfeindlichkeit und ausländerfeindliche Delinquenz in Deutschland 1990-1993

Massenmedien sind eines der faszinierendsten Phänomene der kulturellen Entwicklungsgeschichte. Die technischen Möglichkeiten, Medieninhalte schnell und in großer Zahl exakt zu reproduzieren und einer großen Zahl von Rezipienten zugänglich zu machen, existierten in Europa zwar erst seit dem 15. Jahrhundert und entfalteten ihr wahres Potential sogar noch wesentlich später, trotzdem haben die Massenmedien bedeutende soziale Prozesse ermöglicht und einen entscheidenden Beitrag zur Geschichte Europas geleistet. So ist die Reformation undenkbar ohne die Flut von Flugschriften, Traktaten und Bücher, deren Produktion in diesem Zeitraum wahrhaft explosionsartig gesteigert wurde. Weder die Aufklärung noch die bürgerlichen Revolutionen, weder die industrielle Revolution noch der wissenschaftliche Fortschritt wären ohne Printmedien denkbar. Mit den elektronischen Massenmedien nimmt der Einfluß massenmedialer Organisation sogar noch zu: Radio, Film, Fernsehen und Computer durchdringen mit ihren virtuellen Realitäten unsere Lebenswelten inzwischen so vollkommen, daß eine Differenzierung zwischen wahr und falsch, Orginal und Fälschung, Realität und Illusion zunehmend schwieriger wird. Mein Interesse an Massenmedien entspringt im wesentlichen der Frage nach ihrem Wirkungspotential. Das (wahrgenommene) Medieninhalte wirken, steht außer Frage - Wahrnehmung entspricht definitorisch der Wirkung. Werden Signale nicht wahrgenommen, bezeichnet man sie als Rauschen. Die Wahrnehmung von Signalen selbst ist Information, nämlich die Wahrnehmung eines Unterschiedes (aus dem umgebenden Rauschen), der einen Unterschied macht (sonst wäre es wahrgenommenes Rauschen). Wahrgenommene Medieninhalte können also nicht 'nicht wirken', da grundsätzlich die Wahrnehmung und (zumindest kurzfristige) Speicherung von Information eine Veränderung geistiger und/oder mentaler Bestände von Individuen bewirkt. Letzteres ist die Definition von Wirkung.
Es ist in diesem Zusammenhang zwar auch interessant, was Medieninhalte bei Individuen bewirken. Wenn man jedoch die Möglichkeit bedenkt, daß sowohl ein Kommunisten meuchelnder Rambo als auch ein Volksmusik moderierender Karl Moik ein und dasselbe Phänomen bei einem Individuum bewirken könnten, ist die Behauptung, daß z.B. mediale Gewaltinhalte Einfluß auf einen Amokläufer hatten, für irgendwelche wissenschaftlichen oder politischen Konsequenzen bedeutungslos - wenn man Massenmedien nicht abschaffen will bzw. Polpot heißt. Interessant ist vielmehr der womöglich systematische Effekt, den Rambo oder Moik auf eine durch Merkmale miteinander verbundene Gruppe von Individuen haben könnte. Der Hinweis, daß Moik oder Rambo in den nächsten Jahren zu einem oder zwei weiteren Amokläufen beitragen werden (wenn man sie nicht "abstellt"), bleibt angesichts von Millionen Rezipienten ebenso bedeutungslos, wenn diese nächsten zwei Amokläufer nicht als Spitze eines Eisberges von potentiellen Amokläufern identifiziert werden, aus deren Gruppe rein statistisch schon eine hohe Wahrscheinlichkeit weiterer Amokläufe errechnet werden könnte. Bleibt es aber dem Hinweis, in den nächsten zehn Jahren werde der Konsum von Rambo oder Moik mit zwei Amokläufen assoziiert werden können, gleicht das dem Hellseher, der sagt, es werde im nächsten Jahr eine Katastrophe geschehen oder meiner Gewißheit, daß in den nächsten drei Ziehungen einer der Millionen Lottospieler 6 Richtige haben wird. Der Hinweis bleibt schlicht Geschwafel. Deswegen ist es ja so problematisch, ein Geschehen wie in Erfurt mit der Gewaltdiskussion z.B. um Computerspiele zu verknüpfen. Denn ebenso gut könnte man Kriminalität allgemein in Assoziation mit der Existenz schneller Automobile bringen. Natürlich werden Sie da starke Effekte vorfinden: Sowohl Kriminalität als auch Autos gibt es reichlich. Problematisch ist auch, ein derartig unsicheres Paradigma wie die Medien-Gewaltforschung in sichere Wirkungszusammenhänge mit dem Phänomen des Amoklaufes zu bringen. Amokläufe folgen ja erst recht nicht den Regeln üblicher Gewaltverbrechen, das psyhologische Verstehen dieses Phänomens ist ebenso noch unerwachsen wie die Medienwirkungsforschung selbst. Wenn man Kind und KInd zusammenbringt, wird daraus aber kein Erwachsener, sondern ein Kindergarten. Diesen Eindruck hat man jedesmal, wenn ein "Experte" wie im Beispiel Erfurt gesinnungsverbale Analysen über den Zusammenhang von Gewalt-Computerspielen und der Tat in Erfurt referiert.

Ein geradezu typisches Beispiel ist der Amoklauf von Erfurt und das Echo dazu in den Massenmedien bzw. in Publikationen und Öffentlichkeit: Der Amokläufer Robert S. (Ich halte mich an die anfängliche Zurückhaltung der Presse bzgl. des nicht ausgeschriebenen Nachnamens, weil Amokläufer nicht selten auch Angehörige zurücklassen) soll ein Konsument des Ego-Shooter-Spiels Counterstrike gewesen sein. Auf der Suche nach Ursachen wurde schnell ein Zusammenhang zwischen den Amokmorden und dem Konsum des Spiels hergestellt, was absolut legitim ist. Experten werden gehört, die sich je nach Kompetenz differenziert äußern. Wie ich unten ausführen werde, ist im Paradigma Medien und Gewalt aufgrund des Forschungsstandes wissenschaftliche Zurückhaltung durchaus geboten, was sicherlich angesichts der Ereignisse in Erfurt unbefriedigend ist. Sogenannte Experten, die diese Zurückhaltung zugunsten einer Ideologisierung oder einer anderweitigen Bias nicht üben, rücken mit Aussagen nach Stammtischart jedoch schnell nach und verdrängen aufgrund der Selektionskriterien massenmedialer Berichterstattung die differenzierten, eher ergebnisarmen Töne, mit klaren, wenngleich unhaltbaren oder sogar bewußt falschen Aussagen. Am Bespiel Erfurt möchte ich die Komplexität eines (möglichen) Wirkungsprozesses verdeutlichen: Robert S. lief bekanntermaßen durch die Räume des Gymnasiums und erschoß systematisch Lehrer der Schule, die ihn zum Abitur nicht zuließ. Die Tat bzw. die Morde lassen sich folgendermaßen beschreiben: Die Mordserie war - allerdings nicht minuziös - geplant und wurde nicht spontan begonnen. Hier liegt ein Akzent auf dem Beginn, also auf dem ersten Schuß, weil Planung mit zureichender Sicherheit nicht für die gesamte Mordsequenz behauptet werden kann. Die Mordserie kann auch eine sich selbst verstärkende Dynamik bekommen haben. Die Morde geschahen in kurzen zeitlichen Abständen voneinander, sie sind räumlich und zeitlich einem ununterbrochenen Handlungsstrang zuzuordnen. Die Art und Weise der Ausführung erscheint wenig affektiv bzw. extrem funktional. Der Täter hat mehr als eine Waffe bei sich und eine größere Menge Munition. Er hat sich mit einer Vollmaske bekleidet. Der Täter begeht - nachdem er durch einen verschonten Lehrer eingesperrt wurde - Selbstmord. Das Zusammentreffen mit erwähntem Lehrer läßt den Mörder als bereits erschöpft und realitätsdistanziert erscheinen. Man darf hier von einem typischen Amoklauf reden, der eine spezielle Kategorie unter den Gewalttaten darstellt - eine Kategorie, die vermutlich vergleichbare Motivketten, Handlungsschemata und Mechanismen enthält, die wegen der Seltenheit dieser Taten noch wenig erforscht sind. Auslöser - also zündende Funken - für solche Handlungen sind jedoch keineswegs zu identifizieren. Ab welchem Zeitpunkt das "Mordprogramm" eingeschaltet ist, ist auch kaum zu bestimmen. Vermutlich sind es von außen kaum wahrzunehmende Faktoren, die den Prozeß der Tat eröffnen. Warum nicht ein Computerspiel ? Ebenso gut kann es aber auch ein "falsches" Wort gewesen sein oder ein fehlender Parkplatz.

Virtuelle Gewalt ist im Gegensatz zu realer Gewalt beliebig reproduzierbar, wiederholbar oder vermeidbar. Reale Gewalt ist irrerversibel, nicht ungeschehen zu machen. Virtuelle Gewalt dagegen kann als Foto weggelegt werden, im Film ausgeschaltet werden, als Spiel unterbrochen werden. Vor diesem Hintergrund kommt der Binsenweisheit, daß bei virtueller Gewalt die Beteiligten nicht zu Schaden kommen, eine neue Bedeutung zu. Selbst mediale Dokumentation von realer Gewalt ist letztlich nicht real, beliebig reproduzierbar, beliebig unterbrechbar - man kann sich den Film oder das Foto wieder und wieder ansehen und wird doch niemals wirklich Zeuge der Gewalt. Man kann den Film stoppen und muß erst das Bewußtsein befragen, um sich klar zu machen, daß dies die Dokumentation realer Gewalt ist - ansonsten unterscheidet sich diese virtuelle Gewalt in nichts von einer z.B. Actionszene im Kino. Nicht die virtuelle Gewalt wird der realen immer ähnlicher, umgekehrt wird die Erkenntnis, daß wir eben nicht Zeuge des Napalmangriffs auf das vietnamesische Mädchen oder des Massenmordes am 11. September geworden sind. Nicht umsonst wirkt der Aufschlag der Flugzeuge in das World Trade Center wie aus einem Film, nicht umsonst mußten die Journalisten diese Eindruck immer wieder repetieren.

In der Berichterstattung nach der Mordtat -Couterstrike

Kommunikationswissenschaften (Zeitungswissenschaften) und Pädagogik fragen danach, wie Medieninhalte wirken. Die Psychologie ist an Phänomenen des Wahrnehmens, Erkennens und Transformierens interessiert. Dies sind vornehmlich sogenannte mikroskopische Zugriffe, weil zunächst auf das Individuum konzentriert. Die Soziologie oder auch die Sozialpsychologie dagegen üben den makroskopischen Zugriff: Soziale Phänomene, die aus Medienwirkungen resultieren, finden die besondere Aufmerksamkeit dieser Disziplinen. Für Soziologie und Publizistik (oder auch Politikwissenschaften) sind die Massenmedien und ihre Wirkung als Teilnahme am Phänomen der öffentlichen Meinung interessant. Die Soziologie interessiert sich daneben noch für die besondere Beschaffenheiten von Massenmedien als Organisationen.

Unterstellte Medienwirkungen auf personale Gewalt kann man in Assoziation zu verschiedenen Theorieansätzen in ebenso verschiedene Wirkungsarten unterteilen:
Gewaltdarstellungen werden nachgeahmt, imitiert oder modifiziert für Gewalttaten angewendet.
Gewaltdarstellungen haben einen situativen Einfluß, d.h. ihr Konsum macht kurzfristig aggressiv, erregt emotional, aktualisiert womögliche negative Emotionen
Der Konsum von Gewaltdarstellungen führt zu einer umfassenderen, persistenteren Veränderung der Person bzw. Persönlichkeit. Gewalt wird habitualisiert, Veränderung von Einstellungen

Assoziationen Theorien abweichenden Verhaltens zu möglichen Medienwirkungen
MASSENMEDIEN...
Theorien
abweichenden Verhaltens
bzw. sozialer Kontrolle
...haben Definitionsmacht ...diskriminieren ...lösen aus ...verstärken R1C6
R2C1 R2C2 R2C3 R2C4 R2C5 R2C6
R3C1 R3C2 R3C3 R3C4 R3C5 R3C6
R4C1 R4C2 R4C3 R4C4 R4C5 R4C6
R5C1 R5C2 R5C3 R5C4 R5C5 R5C6
R6C1 R6C2 R6C3 R6C4 R6C5 R6C6
R7C1 R7C2 R7C3 R7C4 R7C5 R7C6
R8C1 R8C2 R8C3 R8C4 R8C5 R8C6